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Helden der Rhetorik III – Roman Herzog und Walter Scheel

Helden der Rhetorik III – Roman Herzog und Walter Scheel

Historie der Rhetorik
Rhetorik-Historie

Helden der Rhetorik: Im dritten Teil unserer Reihe setzen wir uns mit Reden von Roman Herzog und Walter Scheel auseinander. Zwei sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, die auch als Redner verschiedene Wege gingen. Und sich rhetorisch dennoch recht ähnlich waren.

 

 

Helden der Rhetorik: Roman Herzog

Ein begnadeter Redner war Roman Herzog nicht, analysierte man seine rhetorischen Auftritte lediglich unter performativen Aspekten. Sachlich wirkte er, typisch deutsch, hölzern bisweilen – wäre nicht hier und da sein verschmitztes Lächeln gewesen. Dennoch ist auch er einer unserer Helden der Rhetorik. Weil es außer ihm kaum ein deutscher Politiker geschafft hat, sich mit einer Rede, mit einem Satz, ins kollektive Gedächtnis der Deutschen einzubrennen: „Durch Deutschland muss ein Ruck gehen“ ist in die Alltagssprache diffundiert wie Franz Beckenbauers „Schau ‘n mer mal“. Hier wird deutlich, wie unsinnig es ist, rhetorische Wirkung allein der Mimik, Gestik oder Artikulation zuzuschreiben – wie häufig durch schauspielorientierte Rhetorikseminare kolportiert. Manuskripte des siebten Bundespräsidenten legen offen, wie sehr er um die Wirkung seiner Redetexte rang, wie akribisch er an einem Text modulierte.

Zu einem unserer Helden der Rhetorik wird er aber auch aufgrund eines Satzes, den er  (s. S. 2 des Manuskripts) am 8. Juli 1997 an der Universität Tübingen formulierte: „Denn Freiheit und Demokratie brauchen die freie Rede und die Beredsamkeit wie die Luft zum Atmen.“

Helden der Rhetorik – Manuskript von Walter Scheel, S. 1
Abb.: Manuskript S. 1
Helden der Rhetorik – Manuskript von Walter Scheel
Abb.: Manuskript S. 2
Helden der Rhetorik – Manuskript von Walter Scheel
Abb.: Manuskript S. 3

 

 

 

 

Helden der Rhetorik: Walter Scheel

Kommen wir zu einem weiteren Helden der Rhetorik: zu Walter Scheel, der schillerndsten Persönlichkeit im Amt des Bundespräsidenten.

Im Gegensatz zu Roman Herzog war er offensichtlich kein Freund des langen Tüftelns. Sein Manuskript der Rede vor der Deutschen Gesellschaft für Photographie am 4. November 1983 zeigt: Einmal geschrieben, nahm Walter Scheel kaum Veränderungen vor. Das Manuskript steht wie eine eins. Er war einer der wenigen Spitzenpolitiker der Bundesrepublik, der mit dem Verfassen eines Manuskripts auf der Ebene der einfachen, gesprochenen Sprache blieb. Und nicht versuchte, simple Sachverhalte künstlich aufzublähen: „Wir mussten Berlin aus der Unsicherheit befreien. In Angst kann man auf Dauer nicht leben. (…) Es gelang. Am 14. Loch des Golfplatzes in Kronberg gab 1970 Gromyko – wenn auch widerwillig – sein Einverständnis.“ Solche einfachen Sätze – sich zumal um Weltpolitik drehend – kommen Politikern leider nur noch selten über die Lippen. Insofern ähnelten sich Herzog und Scheel. Auch wenn sie sich sichtlich verschieden auf Reden vorbereiteten. Einer unserer Helden der Rhetorik: Walter Scheel. Nicht nur wegen seiner Reden. Sondern auch weil er es war, der die FDP einst aus der Umklammerung der CDU befreite. Und aus seiner Partei eine tatsächlich liberale Kraft formte.

Helden der Rhetorik – Manuskript von Walter Scheel
Abb.: Manuskript S. 11
Helden der Rhetorik – Manuskript von Walter Scheel
Abb.: Manuskript S. 12

 

 

 

 

 

 

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