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Rhetorik-Definitionen

Gibt es die Rhetorik-Definition?

Immer wieder werden wir in Seminaren nach einer eingängigen Rhetorik-Definition gefragt. Doch leider gibt es sie nicht – die eine Definition, die alle Aspekte der Rhetorik beinhaltet und stimmig beschreibt. Das liegt allein daran, dass ihr Wesen bis heute aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet wird: Ist sie Wissenschaft? Kunst? Handwerk? Oder gar jene allumfassende Grundlage, aus der sich kommunikationswissenschaftliche Disziplinen wie Gesellschafts- oder Wirtschaftskommunikation, Medienwissenschaft/Journalismus, Linguistik oder die Sprechwissenschaft entwickelt haben? Steht die Rhetorik im Mittelpunkt, ist sie das Maß aller Dinge, wie es die Universität Tübingen aus ihrer Sicht berechtigterweise gern vermittelt? Oder ist die Beschäftigung mit Rhetorik nur etwas für Altphilologen, wie oft in Marketing-Studiengängen behauptet? Wir wollen hier keiner Sichtweise nach dem Munde reden. Ihnen aber nachfolgend eine Übersicht über unterschiedliche – teils widersprüchliche – Rhetorik-Definitionen und Rhetorik-Sichtweisen anbieten, die wir Stück für Stück erweitern und ergänzen. Dabei berücksichtigen wir Ansichten der alten Griechen, römische Gelehrte und divergierende Meinungen heutiger Zeit – stets mitdenkend, dass wir Vollständigkeit nicht gewährleisten können. Aber: Machen Sie sich selbst ein Bild. Viel Spaß dabei.

Rhetorik-Definition nach Norbert Gutenberg:

„Rhetorik war von Anbeginn eine ‚téchne‘ oder ‚ars‘: das ist weder eine (instrumentalistisch zu begreifende) ‚Technik‘, noch eine (genie-ästhetisch zu begreifende) ‚Kunst‘, sondern eine theoriegeleitete Methodik aufgrund einer didaktisch orientierten Theorie. Intentionale Sprechhandlungen, die durch Anwendung einer methodisch erlernten ‚téchne‘ zustandekommen, heißen darum ‚rhetorische Kommunikation‘.“ (Gutenberg, 2001, S. 146)

(Gutenberg, Norbert (2001): Einführung in Sprechwissenschaft und Sprecherziehung. Frankfurt am Main: Peter Lang GmbH, Europäischer Verlag der Wissenschaften.)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Peter H. Ditko:

  • „Rhetorik ist, Gedanken hör- und sichtbar zu machen.“
  • „Mach das Maul auf – das ist Rhetorik.“

(Vom Gründer der Deutschen Rednerschule Peter H. Ditko immer wieder in Seminaren geäußert.)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Wilfried Stroh:

„Rhetorik, griech. rhētorikḗ, ist die Kunst des Redners, griech. rhetor, also die ‚Redekunst‘. Die Endung –ikḗ weist darauf hin, dass es sich dabei um eine lehr- und lernbare Kunst (téchne) handelt (obwohl auch das bestritten wurde); der volle Ausdruck wäre rhētorikḗ téchne.“ (Stroh, 2010, S. 18-19)

Und weiter:

„Ebenso sollte man eigentlich mit Rhetorik (…) immer nur die Redetheorie bezeichnen. Wenn man ganz korrekt sein wollte, wäre es also falsch, von der ‚grandiosen Rhetorik Bismarcks‘ zu sprechen – denn kein Römer oder Grieche hätte verstanden, was etwa illustris rhetorica Bismarcii (…) bedeuten solle. Im deutschen Sprachgebrauch hat es sich jedoch seit langem fest eingebürgert, als Rhetorik (bzw. Redekunst) sowohl die theoretisch gelehrte als auch die praktisch geübte Kunst zu bezeichnen (…)“ (Stroh, 2010, S. 19-20)

(Stroh, Wilfried (2010): Die Macht der Rede. Eine kleine Geschichte der Rhetorik im alten Griechenland und Rom. Berlin: Ullstein.)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Aristoteles:

„Die Rhetorik stelle also das Vermögen dar, bei jedem Gegenstand das möglicherweise Glaubenerweckende zu erkennen. Denn dies ist die Funktion keiner anderen Theorie. Jede andere will nämlich über den ihr zukommenden Gegenstand belehren und überzeugen: wie die Medizin über das, was gesund bzw. krank ist, die Geometrie über die Vorgänge, die die Größe betreffen, die Arithmetik über die Zahl und in gleicher Weise auch die übrigen theoretischen Anweisungen und Wissenschaften. Die Theorie der Beredsamkeit scheint sozusagen in der Lage zu sein, das Glaubenerweckende an jedem vorgegebenen Gegenstand zu untersuchen. Darum behaupten wir auch von ihr, daß sie kein eigenes, auf eine bestimmte Gattung von Gegenständen beschränktes Gebiet theoretischer Anweisungen besitzt.“ (Aristoteles: Rhetorik, S. 12 (I, 2, 1))

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Joachim Knape:

„In der Praxis ist Rhetorik die Beherrschung erfolgsorientierter strategischer Kommunikationsverfahren. Rhetorik ist die kommunikative Möglichkeit des Menschen, einem von ihm als berechtigt angesehenen Anliegen, dem oratorischen Delos, soziale Geltung zu verschaffen und sich selbst damit, wenigstens im Moment des kommunikativen Erfolgs, aus sozialer Determination zu befreien.“ (Knape, 2000, S. 33

(Knape, Joachim (2000): Was ist Rhetorik? Stuttgart: Philipp Reclam jun. GmbH & Co. KG.)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Hellmut K. Geißner:

„‚Rhetorisch‘‚ heißt hier also nicht: Kultur- oder Sozialtechnik des flüssigeren, besseren, schöneren, schlaueren, wirkungsvolleren Redens. ‚Rhetorisch‘ heißen Gespräch und Rede dann, wenn sie nicht nur als soziales Handeln vollzogen werden, sondern final auf soziales Handeln in einem demokratischen Gemeinwesen bezogen sind (…)“ (Geißner, 2005, S. 19)

(Geißner, Hellmut K. (2005): Demokratie und rhetorische Kommunikation. Ausgewählte Aufsätze. St. Ingbert: Röhrig Universitätsverlag)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Dieter-W. und Waltraud Allhoff:

„Rhetorik, wie sie hier verstanden wird, hat

  • selten etwas mit ‚schönem Reden‘,
  • nicht immer etwas mit ‚Überreden‘ und
  • fast nie etwas mit ‚Kunst‘ zu tun.

Zu anderen oder mit anderen überlegt, gezielt, und intendiert zu sprechen, zu reden, zu diskutieren, zu debattieren, zu verhandeln, ist keine Kunst, sondern die Notwendigkeit, Informationen zu empfangen und weiterzugeben, Probleme kooperativ zu lösen, sich mit anderen zu verständigen, zwischenmenschliche Beziehungen herzustellen und zu erhalten: genau das sind Inhalte und Ziele angewandter Rhetorik.

  • Unter Rhetorik versteht man Theorie und Praxis mündlicher Kommunikation.
  • Unter angewandter Rhetorik verstehen wir im engeren Sinn die Rede- und Gesprächspädagogik.“ (Allhoff/Allhoff, 1990, S. 15)

(Allhoff, Dieter-W./Allhoff, Waltraud (1990): Rhetorik und Kommunikation (9. überarbeitete Aufl.). Regensburg: bvs Bayerischer Verlag für Sprechwissenschaft.))

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Peter Riemer:

„Rhetorik ist von jeher eine Technik, keine Wissenschaft. Sie dient der argumentativen Ordnung und stilistischen Anlage sowie der zielorientierten Durchführung eines Redevortrags, und zwar im Sinne einer systematischen und insofern trainierbaren, aber nicht exakt zu beschreibenden Beeinflussung des Publikums durch den Redner.“ (Riemer, 2017, S. 14)

(Riemer, Peter (2017): Klassische Rhetorik und rhetorische Basiskompetenzen (1. Aufl.). Koblenz: Zentrum für Fernstudien und universitäre Weiterbildung, Universität Koblenz-Landau)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Josef Kopperschmidt:

„Rhetorik ist nicht ein Instrument, um Wahres und Gerechtes zustimmungsfähig zu machen, sondern sie setzt ‚die Überzeugungskraft, die das Wahre/Gerechte als immanente  Eigenschaft/Qualität prinzipiell  immer schon besitzen, systematisch‘ frei ‚und (kann) so dem Wahren/Gerechten auch faktisch zu seiner überzeugungsbedingten Zustimmungsfähigkeit verhelfen.‘“ (Kopperschmidt, 2009, zitiert nach Gil, 2014, 43)

(Gil, Alberto (2014): Zur Ethik der politischen Rhetorik. In: Die neue Ordnung. 68. Jahrgang (2014), Nr. 1, S. 41-49.)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Rhetorica ad Herennium (Aufgabe des Redners):

„Aufgabe des Redners ist es, über die Angelegenheiten sprechen zu können, welche um der Wohlfahrt der Bürger willen durch Sitten und Gesetze festgelegt sind, und zwar mit der Zustimmung der Zuhörer, soweit diese erlangt werden kann.“ (Rhetorica ad Herennium, II 5)

(Nüßlein, Theodor (Hrsg.) (1994): Rhetorica ad Herennium. Lateinisch-deutsche Ausgabe, übersetzt von Theodor Nüßlein. Düsseldorf: Artemis & Winkler.)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Andreas Franken und Friedhelm Franken:

„Das Hauptfeld der Rhetorik ist die Emotion.
Rhetorik hilft Ihnen vor allem dann, wenn Sie in den Zuhörern

  • Gefühle hervorrufen wollen (Schmunzeln, Lachen …)
  • oder bestimmte Affekte verstärken (Liebe, Erregung, Zorn …)
  • bzw. überlagern möchten (Trauer, Kummer Schmerz …)
  • oder Ihnen daran gelegen ist, widerstrebende Empfindungen (Abneigung, Widerstand …) zu beseitigen.“ (Franken/Franken, 2011, S. 43)

(Franken, Andreas/Franken, Friedhelm (20011): Handbuch Redenschreiben. Berlin: Helios Media GmbH.)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Quintilian:

„Die Rhetorik also – denn so wollen wir ohne Angst vor dem Streit um Worte unsere Kunst nennen – lässt sich, glaube ich, am besten gliedern, wenn man von der Kunst, dem Künstler sowie dem Kunstwerk handelt. Kunst soll dabei soviel heißen wie Lehrfach, das heißt also: sie ist die Lehre von der guten Rede. Der Künstler ist der Mann, der diese Lehre empfangen hat, das heißt also der Redner, dessen Ziel es ist, gut zu reden. Das Werk ist das, was von dem Künstler hervorgebracht wird, das heißt also die gute Rede.“ (Quintilianus, 2015, S. 229 (II 14, 5)

Und weiter:

„Allem voran die Frage: Was ist die Rhetorik? Sie wird zwar auf verschiedene Weise definiert, jedoch liegt allen Definitionen eine doppelte Frage zugrunde: entweder besteht Meinungsverschiedenheit über das Wesen der Sache selbst oder über die Formulierung. Die erste und hauptsächliche Meinungsverschiedenheit besteht darin, daß die einen glauben, auch schlechte Menschen könne man als Redner bezeichnen, während die anderen, denen auch wir uns anschließen, diesen Namen und die Kunst, von der wir sprechen, nur Guten zuerkennen wollen. Unter denen aber, die die Redegabe trennen von der Leistung einer untadeligen Lebensführung, die doch mehr bedeutet und weit erstrebenswerter ist, haben einige die Rhetorik nur als eine Fähigkeit (facultas), andere als Wissenschaft (scientia), nicht aber als Tugend, andere wieder als Erfahrung, wieder andere zwar als Kunst, aber verschieden von Wissenschaft und Tugend, einige sogar als eine „entartete Kunst“, das heißt (κακοτεχνία) bezeichnet. Diese Kritiker haben durchweg entweder im Überreden oder im Reden, das zum Überreden geeignet sei, die Aufgabe der Rede gesehen; denn das kann auch von jemandem geleistet werden, der kein „guter Mann“ ist. Es ist also die häufigste Definition, „die Rhetorik sei die Fähigkeit zu Überreden“. Was ich „vis“ (Fähigkeit) nenne, bezeichnen sehr viele mit „potestas“ (Möglichkeit), einige mit „facultas“ (Gabe). Damit dies keine Unklarheit bringe, sage ich, „vis“ meine soviel wie (δύναμις) (Kraft, Möglichkeit).“ (Quintilianus, 2015, S. 229 (II 15, 1-3)

(M. Fabius Quintilianus (2015): Ausbildung des Redners. Zwölf Bücher. 6. Auflage. Lateinisch-deutsche Ausgabe, übersetzt von Helmut Rahn. Darmstadt: WBG)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Luhmann:

„Mit all diesen Entwicklungen von Sprach- und Verbreitungstechnik (hier gemeint als Sprache in ihrer Erscheinung als und unter Verwendung von Zeichen; Verbreitungstechnik als Schrift, Druck und Funk (Anm. des Verf.)) wird erst recht zweifelhaft, welche Kommunikation überhaupt Erfolg haben, das heißt zur Annahme motivieren kann. Bis weit in die Neuzeit hinein hat man auf gesteigerte Unwahrscheinlichkeit mit forcierten Bemühungen um eine Art Persuasivtechnik reagiert, so um Eloquenz als Erziehungsziel, um Rhetorik als besondere Kunstlehre, um Disputation als Konflikt- und Durchsetzungskunst.“ (Luhmann, 1987, S. 221)

(Luhmann, Niklas (1987): Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie. Frankfurt/Main: Suhrkamp)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Lenke/Lutz/Sprenger:

„Allgemein kann man sagen, daß Argumentationen in Diskussionen dazu dienen, andere Menschen zu inneren oder äußeren Handlungen zu bewegen. Diese Beeinflussung kann auf verschiedene Arten geschehen. Man kann z.B. unterscheiden zwischen überreden und (durch Argumente) überzeugen. Mit der Frage, wie diese Beeinflussung am effektivsten zu bewirken sei, befasst sich traditionell auch die klassische Rhetorik.“ (Lenke/Lutz/Sprenger, 1995, S. 201)

(Lenke, Nils/Lutz, Hans-Dieter/Sprenger, Michael (1995): Grundlagen sprachlicher Kommunikation. München: Wilhelm Fink Verlag.)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Eco:

„An dieser Stelle muß auf einen merkwürdigen Widerspruch der Rhetorik hingewiesen werden:

  • Einerseits neigt die Rhetorik dazu, die Aufmerksamkeit auf eine Rede zu fixieren, die auf ungewohnte (informative) Art von etwas überzeugen will, was der Zuhörer noch nicht wußte.
  • Andererseits erreicht sie dies Ziel dadurch, daß sie von etwas ausgeht, was der Hörer schon weiß und will, und daß sie zu beweisen versucht, wie die Schlußfolgerung sich ganz natürlich daraus ableitet.

Aber um diese merkwürdige Schwankung zwischen Redundanz und Information zu klären, muß man zwei Bedeutungen des Wortes ‚Rhetorik‘ unterscheiden:
A) Die Rhetorik als generative Technik, d.h. als Besitz von Argumentationsmechanismen, durch die man persuasive Argumentationen erzeugen kann, die auf einer gemäßigten Dialektik zwischen Information und Redundanz beruhen.
B) Die Rhetorik als Schatz von Argumentationstechniken, die schon vom Gemeinwesen erprobt und assimiliert sind. In dieser letzteren Bedeutung ist die Rhetorik eine Sammlung von codifizierten Lösungen, durch deren Gebrauch die Persuasion mit einer abschließenden Redundanz die Codes wieder bestätigt, von denen sie ausgeht.“ (Eco, 1994, S. 184-185)

(Eco, Umberto (1994): Einführung in die Semiotik. 8. unveränderte Auflage. München: Wilhelm Fink.)

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition nach Lausberg:

„Unter ‚Rhetorik im weiteren Sinne‘ ist die von jedem am sozialen Leben aktiv beteiligten Menschen geübte ‚Kunst der Rede überhaupt‘ (§§ 3-19), unter ‚Rhetorik im engeren Sinne‘ (‚Schulrhetorik‘) die ‚seit dem 5. Jh. v. Chr. als lernbarer Unterrichtsgegenstand ausgebildete Kunst der (besonders vor Gericht gehaltenen) Parteirede‘ (§§ 20-45) zu verstehen. (…)
2. Die Rhetorik ist ein mehr oder minder ausgebautes System gedanklicher und sprachlicher Formen, die dem Zweck der vom Redenden in der Situation beabsichtigten Wirkung (§ 3) dienen können.“ (Lausberg, 1990, S. 13)

Und weiter:

„28. Die Schulrhetorik hat die Produktion der Parteirede (oratio, λόγος) besonders für den Modellfall (§ 25) der judizialen Gattung (§ 22, I) durch Kunstvorschriften (praecepta, regulae) geregelt (§ 2I), die sich in eine Lehre vom Stoff (§§ 29-38) und eine Lehre von der Verarbeitung (§§ 39-45) gliedern.
„Kunst“ (τέχνη, ars) ist die handelnd erprobte Fähigkeit (δύναμις, facultas; ἕξις, firma facilitas, habitus) eines Menschen zur erfolgreichen, wiederholbaren Vollbringung von sozial relevanten (oder mindestens konventionell als sozial relevant geltenden) (Arbeits-) Leistungen, die auf Vollkommenheit (ἀρετἡ, virtus) zielen, jedoch weder dem naturnotwendigen Geschehens-Ablauf (φύσις, natura) angehören noch dem Zufall (τύχη, casus) überlassen werden noch auch als eigentliche Wunder (τέρατα, prodigia, miracula) anzusehen sind.“ (Lausberg, 1990, S. 20)

(Lausberg, Heinrich (1990): Elemente der literarischen Rhetorik. Eine Einführung für Studierende der klassischen, romanischen, englischen und deutschen Philologie. 10. Auflage. Ismaning: Max Hueber Verlag)

Cicero: Auch er suchte nach einer passenden Rhetorik-Definition.Rhetorik-Definition laut Wikipedia:

„Rhetorik (altgriechisch ῥητορική (τέχνη) rhētorikḗ (téchnē) ‚die Redekunst‘), deutsch Redekunst, ist die Kunst der Rede. Sie war schon in der griechischen Antike als Disziplin bekannt und spielte insbesondere in den meinungsbildenden Prozessen Athens und anderer Poleis eine herausragende Rolle. Die Aufgabe der Rede ist es, den Zuhörer von einer Aussage zu überzeugen oder zu einer bestimmten Handlung zu bewegen. Als Kunst der Rede stellt die Rhetorik hierzu die Mittel bereit, als Theorie der Überzeugung analysiert sie diese. Insofern enthält Rhetorik immer eine Doppelaufgabe und soll sowohl Kunst als auch Wissenschaft sein. Zum einen geht es um die Kunst, Menschen von einer Ansicht zu überzeugen oder zu einer Handlung zu bewegen, zum anderen um die Wissenschaft vom wirksamen Reden.“

Akropolis von Rhodos (Odeion) – auch hier suchten wohl schon Gelehrte nach der passenden Rhetorik-Definition.Synonyme für Rhetorik:

Beredsamkeit, Redegabe, Redekunst, Mitteilungsfreudigkeit, Plauderlust, Dialektik, Vortragskunst, Beherrschung des Ausdrucks (Peltzer/Normann, 1983, S. 104)
(Peltzer, Karl/Normann, Reinhard v. (1983): Das treffende Wort. Wörterbuch sinnverwandter Ausdrücke. Bern: Ott Verlag.)